Vorbildliches Ehrenamt in
Messingen
Neujahrsempfang:
Rückblick auf Aktivitäten –
Schuldenfrei ins neue Jahr

Zum Abschluss des
Neujahrsempfangs dankten
Alois Schmidt (vorne links)
und Ansgar Mey (vorne
rechts) allen Vorsitzenden
der Messinger Vereine und
Verbände, den
Fastabendvätern sowie den
ehemaligen Ratsmitgliedern
für ihren Einsatz und
überreichten eine kleine
Überraschung. Fotos: Heinz
Krüssel
Ehrenamtlichkeit ist das Herz einer jeden
Gemeinde; wenn dieses Herz aufhört zu schlagen, dann sind die Städte und
Gemeinden anonym, kalt, ausgebrannt und unsozial.
So hieß es zum Auftakt des Neujahrsempfangs der Gemeinde Messingen im
Rahmen der traditionellen Bürgerversammlung am ersten Werktag im neuen
Jahr.
Dass das Ehrenamt in Messingen
vorbildlich funktioniert, wurde im Verlauf der Veranstaltung im Gasthof
Thünemann am Montagabend deutlich.
Vor rund 300 Mitbürgern ließen die
stellvertretenden Bürgermeister Ansgar Mey und Alois Schmit die
vielfältigen Aktivitäten Revue passieren. 172 Programmpunkte aus den
Vereinen, Verbänden und Institutionen umfasste dieser Rückblick, bei dem
das Ehrenamt ausdrücklich im Blickpunkt stand.
Erstmals seit vielen Jahren konnte
Bürgermeister August Roosmann krankheitsbedingt diese Bilanz nicht
persönlich vorstellen. Die Anwesenden wünschten ihm eine schnelle
Genesung.
In den Ausführungen betonten die
Moderatoren, dass bei vielen Messingern Verantwortungsbereitschaft und
soziales Engagement angesagt sei. „Ihr seid nicht die Stubenhocker
unserer Gesellschaft, sondern ihr gebt unserer Gemeinde Profil und
Glanz“, hieß es. Auch vor diesem Hintergrund sei das Motto
„Messingen: Ein starkes Stück Ehrenamt!“ richtig gewählt.
Ansgar Mey und Alois Schmit fassten die
„Erfolgsstory 2011“ wie folgt zusammen: „Wir haben mit unserer
erfolgreichen Gemeindepolitik für die nächsten Jahrzehnte die Weichen
für die Zukunftsfähigkeit unserer Gemeinde gestellt. Wir haben in 2011
mit unseren Vereinen und Verbänden bewiesen, dass wir als kleine
Gemeinde aktiv, kreativ, attraktiv und quicklebendig sind und auch den
Blick über den Tellerrand für Menschen, die am Rande der Gesellschaft
stehen, beherzigen.“ Messingen bleibe sozial engagiert und eine kinder-
und familienfreundliche Gemeinde.
Nicht ohne Stolz wurde darauf
hingewiesen, dass Messingen trotz zukunftweisender Investitionen auch im
Jahr 2011 eine schuldenfreie Gemeinde sei „und somit fit für die Zukunft
ist“.
Zu den engagierten Gruppen zählt die
Ortsgruppe Messingen im Sozialverband Deutschland (SoVD), nach wie vor
besser als „Reichsbund“ bekannt. Vorsitzender Heinrich Wöhle und seine
Stellvertreterin Angelika Driever stellten die Ortsgruppe, die am 1.
März 1950 gegründet wurde und heute 61 Mitglieder zählt, vor. Vielseitig
sei das Angebot in der sozialen Beratung. „Aber auch Spaß und Freude
kommen bei uns nicht zu kurz“, ergänzte Heinrich Wöhle.

von links: Alois Schmit,
Angelika Driever und Heinrich Wöhle
In einer Gesprächsrunde fühlten Ansgar
Mey und Alois Schmit Samtgemeindebürgermeister Godehard Ritz auf den
Zahn. „Auch auf Samtgemeindeebene blicken wir auf ein gutes Jahr 2011
zurück“, betonte Ritz. Ein Beispiel für den bedeutsamen Ausbau der
Infrastruktur sei die Installation des „Schnellen Internet“ in den
Mitgliedsgemeinden. Davon könnten jetzt auch die Bürger und Firmen in Messingen profitieren.
Weitere Themen waren die „Oberschule“ und
der demografische Wandel. Damit müsse sich auch die Kommunalpolitik
befassen.
Alois Schmit und Ansgar
Mey im Interview mit Godehard Ritz.

Für den musikalischen Rahmen beim Neujahrsempfang in Messingen
sorgte das Nachwuchsorchester der Kolpingkapelle Freren unter der
Leitung von Matthias Menke.
Vertrauen ist das Öl im sozialen
Getriebe“
Caritasdirektor Franz Loth
betonte Bedeutung des Ehrenamtes

Danke
sagten Ansgar Mey (links) und Alois Schmit (rechts)
dem Referenten Caritasdirektor Franz Loth für das
Plädoyer für das ehrenamtliche Engagement. Foto:
Heinz Krüssel
Begriffe wie Verantwortung, Vertrauen und
Visionen stellte Caritasdirektor Franz Loth in den Mittelpunkt seines
Referates anlässlich des Neujahrsempfangs der Gemeinde Messingen.
Wie kaum ein anderer ist Loth in seiner beruflichen Tätigkeit als
Caritasdirektor der Diözese Osnabrück auf das Ehrenamt angewiesen. Dies
wurde in den Ausführungen deutlich, die Loth unter das Motto
„Verantwortung übernehmen für die Zukunft! – Ohne Ehrenamt ist kein
Staat zu machen“, gestellt hatte.
Er sehe es als ein Problem an, dass immer weniger Menschen Verantwortung
für das Gemeinwohl übernehmen wollen und vorrangig für sich selbst
kämpfen.
Dieses sei angesichts einer „Turbohöchstleistungsgesellschaft“ nicht
verwunderlich. Nach seiner festen Überzeugung würden damit aber falsche
Signale gesendet, betonte Loth und beklagte zugleich, dass eine Kultur
für das Ehrenamt fehle. Der Referent plädierte dafür, sich von der „Ich-AG“
zu verabschieden. Dieser Weg müsse im Elternhaus ebenso wie in
Kindertagesstätten und Schulen vermittelt werden.
„Vertrauen“ sei die höchste Form der Motivation – das Öl im sozialen
Getriebe. Mangelndes Vertrauen beispielsweise in die Pflegeeinrichtungen
zerstöre Engagement. Loth wies in dem Zusammenhang auf die Zahl- und
Nachweisbürokratie in Kranken- und Pflegeeinrichtungen durch
Kontrolleure hin. „Wir sind absolut auf dem Holzweg“, warnte der
Caritaschef vor einem Ausufern dieser Mechanismen.
Der Referent rief dazu auf, sich einzusetzen nach der Devise „Rauf aufs
Spielfeld, runter vom bequemen Sofa“. Die Vielfalt der Aktivitäten in
Messingen sei dafür ein tolles Beispiel.
Ausdrücklich beklagte Franz Loth, dass es heute keine größeren Visionen
gebe. Auch deshalb müssten Anreize für das Ehrenamt geschaffen werden.
Der Caritasdirektor stellte Möglichkeiten vor und forderte, endlich eine
„Anerkennungskultur“ zu realisieren.
Kritisch beleuchtete der Referent die Abschaffung der Wehrpflicht und
des Zivildienstes. Die Politik habe es versäumt, vernünftige Lösungen
für die Pflegeeinrichtungen anzubieten. „Wir fahren die Kiste mit
Hochdruck vor den Baum“, machte Loth die prekäre Situation in vielen
Kranken- und Pflegeeinrichtungen deutlich.
Fotos und Text: Heinz Krüssel, Lingener
Tagespost
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