Stolpersteine in der Stadt Freren verlegt
Erinnerung an jüdische Mitbürger
"Ein Mensch ist erst vergessen, wenn sein Name vergessen ist.“ Dieser Satz, mit dem der Bildhauer Gunter Demnig seine Stolperstein-Aktion für Verfolgte des nationalsozialistischen Systems erklärt, kann für die ehemals in Freren wohnenden Juden nicht mehr eintreffen: 27 Stolpersteine vor ihren letzten frei gewählten Wohnorten erinnern ab sofort an sie.

27 sogenannte Stolpersteine erinnern in Freren an fünf Stellen vor den ehemaligen Wohnorten
an frühere jüdische Mitbürger.
In der Bahnhofstraße, „Am Kirchblick“, in der Grulandstraße und an der Auffahrt der evangelischen Kirche sind diese Gedenksteine am Dienstagnachmittag durch den Künstler verlegt worden. Trotz der inzwischen über 35 000 Gedenksteine in 756 Städten und Gemeinden ist die Verlegung für Demnig aber laut eigener Aussage immer keine Routineaufgabe: „Die Zahl von sechs Millionen ermordeten Juden und weiteren sechs Millionen durch das NS-Regime verfolgten Menschen ist für mich, der sich täglich mit diesem Thema beschäftigt, immer noch nicht wirklich fassbar.“
Diese Steine oder auch die individuelle Beschäftigung mit der Biografie einer jüdischen Familie können laut Demnig aber dazu führen, „dass die grauenhaften Verbrechen deutlich werden. Dann erkennen Schüler zum Beispiel plötzlich, dass das ermordete jüdische Kind bei seiner Verschleppung in ihrem eigenen Alter war.“

Die Ehrengäste trugen sich ins Goldene Buch der Stadt Freren ein.
Das jüngste Opfer in Freren war Samuel Manne. „Hier wohnte Samuel Manne – Jg. 1939 – Deportiert 1941 – Riga – Ermordet 1943 – Auschwitz“ – so heißt es jetzt auf einem der mit Messing verkleideten Gedenksteine vor dem ehemaligen Bethaus in der Grulandstraße. Die Patenschaft für dieses jüngste Opfer hat daher auch die Franziskus-Demann-Schule übernommen.

Gunter Demnig persönlich einpasste.
Die Geschichte der ehemals in Freren lebenden Juden hat dabei der inzwischen pensionierte Lehrer Lothar Kuhrts in 33-jähriger Arbeit aufgearbeitet. „Da ist ein solcher Tag natürlich etwas ganz Besonderes“, erklärte er bewegt nach der Verlegung der ersten Steine an der Straße „Am Kirchblick“.
Er hatte auch vor einigen Monaten gemeinsam mit Maria Kuiter vom Kulturkreis Impulse die Verlegung initiiert – und viel Unterstützung aus der Bevölkerung erhalten. Knapp 40 Gruppen, Firmen oder Privatpersonen spendeten mehr Geld, als für die Gedenksteine benötigt wurde. So ist aus diesen Mitteln gleichzeitig der jüdische Friedhof wieder hergerichtet und eine neue Broschüre über die Frerener Juden ermöglicht worden. „Dafür danken wir allen Spendern und Unterstützern“, betonte Kuhrts. Nähere Informationen auch unter www.judentum-christentum.de .
Fotos und Bericht: Carsten van Bevern, Lingener Tagepost