Die Gemeinden

Verabschiedung der Schulleiterin Marita Löckner

 Ein großes Herz für Andervenne

 

 

 

Ein typischer Schultag an der Grundschule Andervenne beginnt mit einem fröhlichen Lied, denn die langjährige Schulleiterin Marita Löckner, die nun verabschiedet wurde, liebt nicht nur „ihre“ Schule und die Natur als Gottes Schöpfung, sondern auch die Musik.


Die offizielle Verabschiedung der 65-jährigen Pädagogin in den Ruhestand nach 43 Dienstjahren musste wegen der Corona-Krise zwar ohne die derzeit 36 Andervenner Schulkinder und auch ohne gemeinsames Singen stattfinden. Der dennoch hervorragende Ton war dafür aber umso mehr von ganz viel persönlicher Herzlichkeit und wertschätzender Anerkennung geprägt.

 

„Wenn ich an Schule bei Frau Löckner denke…: Wie sie glücklich in die Klasse kommt und singt – an ihren tollen Matheunterricht - wie sich mich immer wieder gelobt oder ermutigt hat – an die spannenden Ausflüge mit ihr in den Wald, in den Schulgarten oder zum Krötenfangzaun.“ In Wort und Bild hatten die Kinder ihre vielfältigen Erinnerungen an ihre Rektorin festgehalten, und auch die Theater-AG ließ Marita Löckner über ein originelles Hörspiel aus der Ferne wissen: „Wie traurig wir sind, dass du heute gehst!“


Über die Verabschiedung der hochgeschätzten Persönlichkeit „mit einem Herz für Andervenne“ freute sich eigentlich keiner so wirklich – höchstens vielleicht ein ortsansässiges Unternehmen, das die zahllosen Geschenkgeber mit viel grüner Pflanzenpracht für die leidenschaftliche Gärtnerin versorgen durfte. Marita Löckner wuchs in Andervenne auf, ihr Vater war an „ihrer“ Grundschule, die seit jeher von der ganzen Dorfgemeinschaft mitgetragen wird, Schulleiter der ersten Stunde.

 

Nach 23 Jahren eigener Schulleitung in ihrer alten Heimat bescheinigte ihr Regierungsschuldirektorin Maria Duisen: „Du bist mit Leib und Seele Lehrerin. Du siehst das Feine und die kleinen Unterschiede. Du nimmst jedes Kind so an, wie es ist. Die Grundschule Andervenne trägt deine Handschrift voller Herzlichkeit, Freundlichkeit und Fleiß.“


Frerens Samtgemeindebürgermeister Godehard Ritz und Andervennes Bürgermeister Reinhard Schröder würdigten ihre Verdienste ebenfalls: „Der Wille zu lehren ist ein Wille zu schenken. Du hast die Kinder immer großzügig beschenkt mit den Grundlagen für einen gelingenden Lebensweg: aus einer kleinen, aber feinen Schule hinaus in die große, weite Welt.“

 

Pfarrer Jürgen Krallmann dankte insbesondere für die regelmäßig gefeierten Schulmessen noch vor dem eigentlichen Unterricht als wertvolle Glaubenserfahrung der Kinder: „So ziemlich jedes Andervenner Schulkind ist später auch Messdiener geworden.“

 

Vertreter des Fördervereins, der Elternschaft, der Vereine, des Kindergartens, des Schulverbunds, des Kollegiums und der Familie erwiesen einer bewegten Marita Löckner in vielfältiger und persönlicher Weise ihre Ehre und tiefe Verbundenheit. „Danke dem lieben Gott im Himmel, dass er uns Marita geschenkt hat!“, unterstrich ihre Vorgängerin im Andervenner Schulleitungsamt, die 85-jährige Elisabeth Buller. Sie empfahl: „Marita, ich sage dir eins: Lass los! Was mit der Grundschule Andervenne geschieht, das weiß der liebe Gott.“


Dass die scheidende Schulleiterin trotz ihrer Freude über mehr Zeit mit Ehemann Heinz, ihren Kindern und den vier Enkelkindern dennoch immer ein Teil Andervennes bleiben wird, wurde während der Abschlussworte der 65-Jährigen deutlich. Glücklich darüber, dass Anke Klaas als Konrektorin der Grundschule in Freren zunächst die kommissarische Schulleitung in Andervenne übernimmt, betonte sie: „Eine kleine Schule ist ganz dicht am Menschen, in ihr können kleine Kinder Wurzeln schlagen und sie kann sich auf ein starkes dörfliches Netzwerk verlassen. Dennoch muss eine kleine Schule auch genau das leisten, was eine große Schule leisten muss, und sie muss zudem mit besonderen Dingen punkten, damit sie eine Zukunft hat.“

 

Text und Fotos: Carsten van Bevern, LT